IFG-131 KiGGS: Leichter protektiver Schutz vor Allergien

Hintergrund meiner IFG-Anfrage:

KiGGS ist die bisher größte in Deutschland durchgeführte Studie über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Verantwortlich für die Durchführung ist das Robert-Koch-Institut (RKI), die deutsche Seuchenbehörde. Auf einem Kongress des Jahres 2009 berichten die Studienverantwortlichen von einem gesundheitlichen Vorteil der Geimpften gegenüber den Ungeimpften bezüglich sogenannter atopischer Erkrankungen, also allergischer Reaktionen. Dieses bemerkenswerte Ergebnis wurde mehrfach in der Mainstream-Presse zitiert. Da es völlig den mir bis dahin zugänglichen wissenschaftlichen Informationen widersprach, hakte ich beim RKI nach, auf welchen Daten deren Schlussfolgerung beruhte.

1. März 2011: Ich stelle eine allgemeine Anfrage per Email

"Betreff: KiGGS: Schützen Impfungen vor Allergien?

Sehr geehrte Damen und Herren, Im Kongressbericht des „4. Gemeinsamen Allergie-Kongresses“ vom 3. bis 6. September 2009 findet sich ein Beitrag derKiGGS-Autoren mit dem Titel:  „Assoziation zwischen Impfungen und atopischen Erkrankungen – Ergebnisse des Kinder und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS)“. Die Schlussfolgerung der Zusammenfassung dieses Vortrags: „Die KiGGS-Daten weisen auf einen leicht protektiven Zusammenhang zwischen Impfungen im ersten Lebensjahr und dem Risiko für spätere atopische Erkrankungen hin." Auf Rückfragen bekam man zur Antwort, dass die Filterformeln, die zu diesem Ergebnis führten in einer späteren Publikation offen gelegt würden.

Jetzt heißt es am 18. Februar im Deutschen Ärzteblatt, von den gleichen Autoren, auch zum Thema Allergien:  „Unabhängig vom Impfstatus steigen die LZP mit zunehmendem Alter deutlichan. Wesentliche Unterschiede zwischen  Geimpften und Ungeimpften zeigen sich jedoch nicht.“

a) Impfungen bieten einen leichten protektiven Schutz vor Allergien
b) Wesentliche Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften zeigen sich nicht

Welche Aussage gilt nun?"

28. März 2011: Antwort des RKI: "Bitte warten!" 

"Sehr geehrter Herr Tolzin, besten Dank für Ihre Anfrage. Dazu die Information, dass die im Abstract genannten Ergebnisse der Zusammenhangsanalysen zwischen Impfungen und atopischen Erkrankungen in der ausführlichen Veröffentlichung zusammen mit den angewendeten Methoden umfassend beschrieben werden. Ich darf Sie bitten, sich bis zum Erscheinen dieser Veröffentlichung noch zu gedulden."

6. April 2015: Ich stelle eine IFG-Anfrage

Um meiner bisher unbeantworteten Anfrage den nötigen Nachdruck zu verleihen, stelle ich per Email eine offizielle Anfrage nach dem IFG:

"Sehr geehrte Damen und Herren,  seit Ihrer letzten Email in dieser Angelegenheit sind inzwischen mehrere Jahre vergangen. Hiermit bitte ich unter Berufung auf das IFG um Einsicht in behördenintene Unterlagen, aus denen hervorgeht, auf welchen Daten, Auswertungen und Methoden der behauptete "leicht protektive" Schutz vor Allergien durch Impfungen beruht.  (...)"

17.  April 2015: Eingangsbestätigung des RKI

20. April 2015: Bescheid des RKI

"Eine erste Publikation (Schmitz et al., Dtsch Ärzteblatt 2011) zum Zusammenhang zwischen Impfstatus (ja/nein) und der Lebenszeitprävalenz von atopischen Erkrankungen zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen geimpften und nicht geimpften Kindern und Jugendlichen.

Das im Abstrakt zum Kongressbericht des „4. Gemeinsamen Allergie-Kongresses“ vom 3. bis 6. September 2009 angesprochene Ergebnis (leicht protektiver Zusammenhang zwischen Impfungen im ersten Lebensjahr und dem Risiko für spätere atopische Erkrankungen) beruht auf einer weitaus komplexeren Auswertung. Diese berücksichtigt die tatsächlich bis zum Ende des ersten Lebensjahres erfolgten Impfungen und prüft den Zusammenhang mit der Lebenszeitprävalenz allergischer Erkrankungen unter Berücksichtigung des Lebensalters und anderer möglicher Einflussvariablen. Die Arbeiten zu diesem Manuskript sind noch nicht abgeschlossen. Sie Manuskript haben aufgrund zahlreicher Prioritätenverschiebungen tatsächlich einige Zeit geruht, sind aber in den letzten Wochen wieder aufgenommen worden.

Es ist vorgesehen, das Manuskript zu einer Publikation dieser Ergebnisse bis Ende 2015 in einem peer-reviewed Fachjournal einzureichen. Dieses Vorhaben würde maßgeblich erschwert, wenn die Ergebnisse in ihren Einzelheiten bereits vorab öffentlich kommuniziert würden. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir Ihnen derzeit die erbetenen Unterlagen noch nicht zur Verfügung stellen können."

22. April 2015: Ich lege Widerspruch ein

Zitat: "Ihre Begründung, wonach die Veröffentlichung der angefragten Daten kurz bevorstehe, ist nicht glaubhaft. Ein Nachweis, dass Geimpfte einen Vorteil bezüglich der Anfälligkeit gegenüber Allergien haben, stellt eine wissenschaftliche Sensation dar. Seit der entsprechenden Aussage von Sept. 2009 sind inzwischen fast sechs Jahre vergangen - mehr als genügend Zeit, eine Veröffentlichung zu erwirken. Angesichts der mir vorliegenden Auswertungen der KiGGS-Daten scheint es eher so, dass Ihre Behörde versucht, eine offensichtliche Fehleinschätzung zu vertuschen."

8. Mai 2015: RKI lehnt Widerspruch per Email ab (wurde aber früher problemlos angenommen)

8. Mai 2015: Ich widerhole den Widerspruch per Fax

4. Aug. 2015: RKI weist Widerspruch zurück

Begründung: Die notwendige Vertraulichkeit der Beratung von Behörden werde durch die Veröffentlichung beeinträchtigt, bevorstehende behördliche Maßnahmen könnten vereitelt werden, außerdem wäre es laut Gesetzgeber legitim, bestimmte Forschungsergebnisse nicht zu veröffentlichen. Zudem pocht das RKI auf den Schutz geistigen Eigentums.

Kommentar: Dem RKI ist es wichtiger, einen Fehler zu vertuschen (der wohl im Übereifer einiger RKI-Mitarbeiter begangen wurde, um den Impfgedanken zu fördern), als bei der Wahrheit zu bleiben. Damit erweist die RKI-Rechtsabteilung der Glaubwürdigkeit der Behörde letztlich einen Bärendienst.    PDF-Datei zum Download

Status am 3. Januar 2016.:

Ich frage beim RKI nach, wo der angekündigte Artikel nun erschienen ist oder wo er erscheinen wird.


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