IFG-Anfrage Nr. 114: Beweisen Studien einen gesundheitlichen Vorteil für Menschen mit hohen Antikörpertitern?

Die einzige Möglichkeit, einen positiven gesundheitlichen Effekt von Impfungen zweifelsfrei nachzuweisen, besteht in placebokontrollierten Doppelblindstudien. Diese werden angeblich aus ethischen Gründen in der Regel von den Herstellern nicht durchgeführt. Stattdessen wird im Rahmen der Zulassungsstudien mit dem sogenannten Antikörpertiter ein reiner Laborwert erfasst. Ein hoher Antikörpertiter gegen einen bestimmten Erreger, so die Meinung der Hersteller und Gesundheitsbehörden, sei so etwas wie eine Garantie für Nichterkrankung.

Ich wollte vom Robert-Koch-Institut (RKI), der deutschen Seuchenbehörde, wissen, auf welchen wissenschaftlichen Beweisen diese Annahme - "ein hoher Titer schützt vor Erkrankung" - beruht. Es war zu erwarten, dass die Beantwortung ein Leichtes für die Mitarbeiter de Behörde sein würde, denn die Korrelation zwischen der Höhe spezifischer Antikörpertiter und einem nachweisbaren gesundheitlichen Vorteil stellt immerhin seit Generationen die Grundlage der deutschen Impfpolitik dar. Ich stellte deshalb am 9. März 2012 per Email folgende Anfrage:

"Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz bitte ich Zugang zu internen Unterlagen, aus denen hervorgeht, auf welche wissenschaftlichen Studien bzw. konkrete Publikationen sich das RKI beruft, wenn es davon ausgeht, dass Menschen mit hohen Antikörpertitern eine bessere Gesundheitsprognose aufweisen als Menschen mit niedrigen oder gar fehlenden Titern. Mit diesen Publikationen meine ich nicht Sekundärliteratur, die nur die aktuell gültige Mehrheits-MEINUNG wiedergeben (solche Sekundärliteratur haben Sie mir bereits genannt), sondern Primärliteratur über Beobachtungsstudien, bei denen Antikörpertiter und tatsächlicher Gesundheitszustand miteinander verglichen wurden. Sicherlich geben sich das RKI und die STIKO bei ihrer Empfehlung von Impfungen nicht mit bloßen Meinungen über die klinische Wirksamkeit zufrieden."

Auf diese Email erhielt ich zunächst keinerlei Antwort. Am 2. Sept. 2012 hakte ich schließlich nach.

Die Antwort des RKI vom 5. Sept. 2013:

"Ihre E-Mail v. 9.3.2012 ist, wie Nachforschungen gezeigt haben, im Haus angekommen, dann aber offenbar im Geschäftsgang stecken geblieben. Dafür bitten wir um Entschuldigung. Zur weiteren sachlichen Bearbeitung bitten wir Sie, uns mitzuteilen, auf welche Äußerungen aus unserem Institut genau Sie sich beziehen, wenn Sie darlegen, dass RKI gehe davon aus, 'dass Menschen mit hohen Antikörpertitern eine bessere Gesundheitsprognose aufweisen als Menschen mit niedrigen oder gar fehlenden Titern.'"

Daraufhin schrieb ich am gleichen Tag zurück:

"Falls es nicht zutrifft, dass das RKI von dieser Annahme ausgeht, reicht mir auch eine entsprechende Mitteilung."

Das RKI antwortete mir am 17. Sept. 2012 folgendermaßen:

"Auf Ihre Anfrage v. 5.9.2012 teilen wir Ihnen folgendes mit: Die (von Ihnen getroffene?) Aussage, "dass Menschen mit hohen Antikörpertitern eine bessere Gesundheitsprognose aufweisen als Menschen mit niedrigen oder gar fehlenden Titern", ist nach Einschätzung des RKI in dieser pauschalen Form nicht sinnvoll, weil der Begriff "Antikörper" eine sehr heterogene Gruppe von Stoffen bezeichnet, die im menschlichen Körper unterschiedliche Funktionen haben. Bestimmte Arten von Antikörper bieten zum Beispiel einen Schutz vor spezifischen Infektionskrankheiten, was man sich beim Impfen zu Nutze macht. Andere Arten von Antikörpern (sogenannte Auto-Antikörper) können dagegen sogar zu Erkrankungen führen bzw. Krankheitsprozesse ungünstig beeinflussen. Richtig ist, dass ein ausreichend hoher Antikörpertiter gegen einen bestimmten Krankheitserreger einen - ja nach Erreger - mehr oder weniger zuverlässigen Schutz gegen diesen speziellen Krankheitserreger sowie im Einzelfall gegen mit diesem verwandte Krankheitserreger bieten kann. Im Übrigen verweisen wir auf die einschlägige immunologische Fachliteratur."

Daraufhin schrieb ich am 4. Okt. 2012:

"Vielen Dank für die Klarstellung. Auf dieser Grundlage möchte ich meine Anfrage folgendermaßen präzisieren: Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz bitte ich Zugang zu internen Unterlagen, aus denen hervorgeht, auf welche wissenschaftliche
Studien bzw. konkrete Publikationen (mit Seitenangaben) sich das RKI beruft, wenn es davon ausgeht, dass Menschen mit hohen spezifischen Antikörpertitern gegen bestimmte Infektionskrankheiten - also jene, die bei der Zulassung von Impfstoffen als Wirkungsnachweis erhoben werden - eine bessere  Gesundheitsprognose aufweisen als Menschen mit niedrigen oder gar fehlenden Titern."

Das RKI am 9. Okt. 2012:

"Auch hier wäre an erster Stelle zurückzufragen, wann und wo sich das RKI dahingehend geäußert haben soll, "dass Menschen mit hohen spezifischen Antikörpertitern gegen bestimmte Infektionskrankheiten - also jene, die bei der Zulassung von Impfstoffen als Wirkungsnachweis erhoben werden - eine bessere Gesundheitsprognose aufweisen als Menschen mit niedrigen oder gar fehlenden Titern." Auch in dieser von Ihnen abgewandelten Form wird die Aussage jedenfalls nicht sinnvoller, weil nach wie vor eine Mehrzahl unterschiedlicher Antikörpertiter in Beziehung gesetzt wird zu einer allgemein "besseren Gesundheitsprognose". Sinnvoll wären allein Aussagen zum Zusammenhang zwischen einem einzelnen bestimmten Antikörpertiter zu dem Risiko, an einer bestimmten Krankheit zu erkranken."

Mein Schreiban an das RKI am 9. Okt. 2012:

"Nun, das Sie öffentlich zum Impfen - beispielsweise gegen die Grippe - raten, bin ich davon ausgegangen, dass das RKI von einer Wirksamkeit z. B. der Grippeimpfstoffe ausgeht. Liege ich da falsch? Da diese Wirksamkeit bei allen Impfstoffen ohne Ausnahme durch den Antikörpertiter (welche speziellen AK im Einzelfall auch immer gemeint sein mögen) belegt wird, habe ich mir gedacht, dass das RKI also davon ausgeht, dass die während der Zulassungsstudien gemessenen AK-Werte (bei welchen speziellen AK-Typen auch immer) eine Gesundheitsprognose zulassen. Liege ich da falsch?
Um also meine Frage zu Ihrer Zufriedenheit zu präzisieren: Ich meine genau jene spezifischen Antikörpertypen, die während der Zulassungsstudien erhoben wurden - welche genau das im Einzelfall auch immer sein mögen. Lassen also diese während der Zulassungsstudien erhobenen AK-Werte aus Sicht des RKI eine Gesundheitsprognose zu? Falls ja, aufgrund welcher wissenschaftlichen Arbeiten? Oder verzichten Sie völlig auf eine eigene
Expertise bzw. wissenschaftliches Know-How, weil Sie davon ausgehen, dass das PEI weiß, was es tut? Das wäre durchaus eine Aussage, mit der ich im Moment zufrieden wäre, denn das entspräche genau meiner persönlichen Einschätzung der Situation und wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang zwischen spezifischen AK-Titern und Gesundheitsprognosen, die bei Ihrer Behörde nicht bekannt sind, können Sie mir natürlich im Rahmen meiner IFG-Anfrage nicht nennen."

Mit Schreiben vom 24. Okt. 2012 schickt mir das RKI die Kopien von zwei Publikationen:

a) Stanley A. Plotkin: Correlates of Vaccine-Induced Immunity, Clinical Infectious Diseases 2008; 47:401-409
b) Stanley A. Plotkin: Correlates of Protection Induced by Vaccination, Clinical and Vaccine Immunology, Juli 2010, p. 1055-1065

Kommentar:

Beide Artikel von Plotkin, einem der weltweit bedeutendsten Fachleute auf dem Impfgebiet, diskutieren die verschiedenen Surrogatparameter für die Schutzwirkung. Eine Abstimmung der Labortestergebnisse mit der tatsächlichen Häufigkeit der klinischen Symptomatik wird in beiden Artikeln jedoch nicht besprochen.

Schlussfolgerung:

Die zuständigen deutschen Gesundheitsbehörden gehen zwar davon aus, dass der im Rahmen von Zulassungsstudien erhobene Antikörpertiter Geimpften einen gesundheitlichen Vorteil bietet, entsprechende Beobachtungsstudien wurden jedoch entweder nie durchgeführt, oder aber sie wurden nie publiziert. Die dritte Möglichkeit: Es gibt erfolgreich durchgeführte Beobachtungsstudien, die jedoch unseren Behörden nicht bekannt sind.
Unabhängig davon, welche der drei Möglichkeiten zutrifft, muss daraus folgende Schlussfolgerung gezogen werden: Die Durchimpfungspolitik der deutschen Behörden basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf einer unbewiesenen Annahme - und das nun schon seit Generationen. Offensichtlich hat bisher keine der zuständigen Stellen diese Annahme wissenschaftlich überprüft.

Somit beruht die Impfpolitik in Deutschland (und weltweit) möglicherweise auf einem wissenschaftlichen Mythos.

Forderung:

Sämtliche öffentliche Impfempfehlungen sind umgehend auszusetzen, bis ergebnissoffen aufgesetzte Beobachtungsstudien vorliegen, die einen gesundheitlichen Vorteil für Menschen mit hohen Antikörpertitern im Blut belegen.



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